„Was kostet eine Website?” ist die häufigste Frage in unseren Erstgesprächen. Und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt nicht primär auf die Seitenzahl an, sondern auf vier Faktoren, die Sie selbst nur halb beeinflussen können.
In diesem Artikel zerlegen wir die tatsächlichen Kostentreiber und zeigen Ihnen, was 2026 fair ist — und ab wann Sie überzahlen.
1. Die vier echten Kostentreiber
Eine Website ist nicht „eine Sache”. Sie ist die Summe aus:
- Strategie und Konzept: 10–20 % des Gesamtbudgets
- Design: 15–25 %
- Copywriting: 20–30 % (wird oft vergessen)
- Entwicklung und Tracking: 30–40 %
- Projektmanagement und Übergabe: 5–10 %
Wenn ein Angebot einen dieser Posten verschweigt, fehlt entweder die Leistung — oder sie wird Ihnen später als Nachforderung präsentiert.
2. Tagessätze in Deutschland: Was ist normal
Tagessätze für Webdesign-Leistungen 2026:
| Rolle | Tagessatz Median | Tagessatz Bandbreite |
|---|---|---|
| Junior-Designer | 600 € | 450–750 € |
| Senior-Designer | 1.000 € | 800–1.400 € |
| Konzepter / Strategie | 1.200 € | 900–1.800 € |
| Frontend-Entwickler | 950 € | 700–1.300 € |
| Copywriter | 1.000 € | 750–1.500 € |
| Projektmanager | 800 € | 600–1.100 € |
Hamburger und Münchener Agenturen liegen tendenziell 20 % über diesen Werten, Umlandstandorte 15 % darunter. Bremer Agenturen liegen meist im Mittelfeld.
Was wir empfehlen: Verlangen Sie statt eines Tagessatz-Angebots einen Festpreis pro Leistungspaket. Das schützt Sie vor Scope-Creep und macht Ihre Kalkulation planbar. Wer keine Festpreise rechnen will, traut sich die Schätzung nicht zu.
3. Konkrete Preisbeispiele für typische Projekte
Hier echte Marktpreise für vier typische Mittelstandsprojekte:
Beispiel A: 5-Seiten-Visitenkarte
Klassiker für Solopreneure und Handwerker. Start, Leistungen, Über uns, Referenzen, Kontakt.
- Realistischer Preis: 2.500 € bis 5.000 €
- Inkludiert: Template-Anpassung, Basis-Copy, mobile Optimierung, Impressum/Datenschutz
- Nicht inkludiert: Foto-Shoot, Logo-Redesign, mehrsprachige Versionen
Beispiel B: 8–12 Seiten Mittelstands-Website
Service-Tiefe, mehrere Zielgruppen, mehrere Calls-to-Action.
- Realistischer Preis: 6.000 € bis 12.000 €
- Inkludiert: Strategie, Copywriting, mobile-first Design, SEO-Grundlagen, GA4-Setup
- Nicht inkludiert: Foto-Produktion, Übersetzungen, monatliche Pflege
Beispiel C: E-Commerce-Shop bis 100 Produkte
Shopify oder WooCommerce, Standard-Funktionalität.
- Realistischer Preis: 9.000 € bis 20.000 €
- Inkludiert: Shop-Setup, Produkt-Migration, Zahlungsabwicklung, Versand-Logik
- Nicht inkludiert: Produktfotografie, ERP-Anbindung, Multi-Channel-Sync
Beispiel D: Plattform mit Login und Datenbank
Mitgliederbereich, Bookings, kundenspezifische Inhalte.
- Realistischer Preis: 18.000 € bis 50.000 €
- Inkludiert: Auth, DB-Schema, Frontend, Hosting-Setup
- Nicht inkludiert: Skalierung über 1.000 Nutzer, Monitoring, SLA
4. Was viele Angebote verstecken
Wir analysieren regelmäßig Konkurrenz-Angebote für Bremer Mittelständler. Diese Posten fehlen am häufigsten in den Erstangeboten — und tauchen später als Nachforderung auf:
- Texte: „Texte stellen Sie bereit” — das kostet Sie im eigenen Aufwand 20–40 Stunden
- Foto-Material: „Bilder stellen Sie bereit” — Stock-Bilder konvertieren schlechter als echte Fotos
- Hosting: „Hosting nicht inkludiert” — schnell 30–80 € pro Monat
- Pflege: „Pflege optional” — wenn Sie selbst nicht ins CMS können, zahlen Sie pro Änderung
- Tracking: „GA4-Setup optional” — ohne Tracking wissen Sie nicht, ob die Seite funktioniert
Eine seriöse Agentur listet diese Posten transparent auf und schlägt eine ehrliche Lösung vor.
5. Festpreis vs. Aufwand: Welche Vertragsform schützt Sie
Es gibt drei gängige Modelle:
- Festpreis: Sie zahlen einen vereinbarten Betrag für einen definierten Umfang. Schutz: hoch.
- Aufwand nach Stunden: Sie zahlen, was die Agentur arbeitet. Schutz: niedrig, weil die Stunden steigen.
- Mischform (Cap): Sie zahlen Aufwand, aber mit Deckel. Schutz: mittel.
Für 90 % der Mittelstands-Projekte ist Festpreis das richtige Modell. Wer Ihnen sagt, „das geht nicht als Festpreis”, hat das Projekt nicht durchdacht oder will sich nicht festlegen.
6. Wann sich Premium-Preise wirklich lohnen
Es gibt Situationen, in denen 25.000 € statt 8.000 € sinnvoll sind:
- Ihre Marke muss vor Konzern-Einkäufern bestehen
- Sie betreiben mehrere Sprachversionen mit unterschiedlichem Content
- Sie integrieren ein bestehendes ERP-/CRM-/PIM-System
- Sie haben spezifische Compliance-Anforderungen (BaFin, KRITIS, ISO)
In allen anderen Fällen zahlen Sie für Komplexität, die Sie nicht brauchen.
7. Versteckte Folgekosten im zweiten Jahr
Was Sie ab Monat 13 zusätzlich zahlen, wenn niemand vorher darüber gesprochen hat:
- Hosting: 30 € bis 200 € pro Monat, je nach Setup
- SSL und Domain: 15 € bis 50 € pro Jahr
- Pflege: 80 € bis 300 € pro Monat für regelmäßige Updates und Sicherheit
- SEO: 800 € bis 2.500 € pro Monat, wenn Sie wachsen wollen
- Content: pro neuem Artikel 200 € bis 800 €
Eine seriöse Agentur sagt diese Zahlen unaufgefordert beim Erstgespräch.
Unsere ehrliche Empfehlung: Holen Sie drei Festpreis-Angebote ein. Wenn die Spanne zwischen niedrigstem und höchstem Angebot mehr als 3:1 beträgt, vergleichen Sie nicht das Gleiche. Verlangen Sie eine identische Leistungsliste von allen drei. Dann sehen Sie, wer welche Position wie kalkuliert — und welcher Anbieter wirklich seriös rechnet.
